Mittwoch, 16. Januar 2013

Ein Stall voller Kinder vs. Glückliches Einzelkind

Eltern-Kind-Blogparade Januar 2013

Ich bin eben gerade über den Blog von Testmama gestolpert, auf dem eine Blogparade organisiert wird, in dem über verschiedene Themen gebloggt und diskutiert wird. Ich finde diese Idee wirklich super und interessant und schließe mich gerne an:

Das Thema im Januar ist: Ein Stall voller Kinder vs. Glückliches Einzelkind.

Das ist meiner Meinung nach ein spannendes Thema, das mich ausserdem aktuell sehr beschäftigt. 

Ob man persönlich zu einem Einzelkind oder einer Großfamilie tendiert, hängt bestimmt zu einem großen Teil davon ab, wie man selbst aufgewachsen ist.
Ich z.B. habe einen großen Bruder, der in meinem Leben (obwohl wir uns hin und wieder aus den Augen verloren haben) immer eine sehr große Rolle gespielt hat und immernoch spielt und ohne den ich mir meine Kindheit nicht vorstellen kann. 
Meine liebste Anekdote hierzu ist diese: Mein Bruder schlief die ersten zwei Jahre keine Nacht durch und musste jede Nacht beruhigt werden. Da er noch so jung war, verstand er nicht wirklich, was es bedeutet, dass er nun ein Geschwisterchen bekommen sollte. Erst auf dem Weg nach Hause legte er freudestrahlend seine Hand an das Körbchen, in dem ich lag, als möchte er sagen: "Meins!" und in jener Nacht und in den folgenden schlief er vom Abend bis zum Morgen seelig ruhig durch. <3
Wir haben gestritten, uns versöhnt, geteilt und um das letzte Stück gekämpft und uns gegenseitig immer wieder davor bewahrt große und kleine Fehler zu begehen. Wir waren Verbündete und Spielkameraden und haben voneinander viel gelernt. Wir haben die Fehltritte des anderen vertuscht und waren füreinander da, wenn einer von uns Probleme hatte.
Auch heute noch kann ich kaum mit irgendjemandem so offen und ehrlich reden wie mit ihm, da wir einander blind vertrauen. Ich wüsste nicht, wo ich heute ohne ihn wäre...

Mein Mann dagegen kommt aus einer Großfamilie und hat vier Geschwister. Dort jedoch wurde den ganzen Tag Fern gesehen, die einzelnen Kinder wurden eigentlich eher nebenbei und von alleine groß.

Wir waren uns immer einig, dass wir zwei Kinder haben möchten, im Abstand von maximal zwei Jahren. Bis dann das erste Kind geboren wurde. :) 
Meine wundervolle, energiegeladene, selbstbewusste Tochter. Sie schrie und schrie und schrie. Nichts half, außer das stundenlange Herumtragen. 
Auch nach einem halben Jahr musste sie noch alle zwei Stunden gestillt werden und erst kurz vor ihrem ersten Geburtstag akzeptierte sie endlich einmal feste Nahrung. Nachts wird sie heute noch gestillt.
Länger als drei Stunden kann man nicht mit ihr alleine sein, da ihr langweilig wird und sie einen Wutanfall nach dem anderen hat. Versteht mich nicht falsch, ich liebe dieses Kind abgöttisch, doch mit einem dermaßen aktiven Kind haben wir unsere Rechnung nicht gemacht. Wenn sich ein Kind an der Supermarktkasse auf den Boden wirft, rot anläuft und alles in Grund und Boden schreit, dann ist das meine Tigerente.
Und ich gebe offen zu, dass ich heillos überfordert bin. Noch heute (mit 14 Monaten) muss sie im Beistellbett schlafen und braucht spätestens alle drei Stunden meine Nähe.
Es ist nicht so als hätte ich es mir wie einen Spaziergang vorgestellt, ein Kind groß zu ziehen, aber dass ich weder einen Rückbildungskurs noch eine Krabbelgruppe besuchen werden kann, und dass ich eine Fußballmanschaft für die Beschäftigung meiner Kleinen brauche, dass hätte ich nicht geahnt.

Nun ist der Termin gekommen, zu dem ich schwanger werden müsste, um meinem ursprünglichen Plan mit zwei Jahren Abstand einzuhalten. Dadurch, dass ich nachts immer noch stille, ist das aber rein technisch sehr schwierig. Und nun stellt sich mir auch die Frage, wie ich denn mit zwei Kindern klar kommen würde, wenn mich schon eines an den Rand meiner Kräfte und Fähigkeiten bringt. Habe ich überhaupt das Recht, erneut Mutter zu werden?
Auch mein Mann zweifelt, hauptsächlich weil er sich um mich Sorgen macht (Du musst doch endlich mal wieder durchschlafen...)

Jetzt merke ich, wie voreingenommen ich doch bin. Ein zweites Kind mit einem großen Abstand? Wenn sie dann selbstständiger wird und ich mehr Raum für mich hätte? 
Was wäre, wenn das zweite plötzlich Zwillinge werden würden?
Was wenn das Zweite ebenso aktiv wäre, wie könnte ich dann beide noch im Blick behalten?

Treffe ich die Entscheidung aus dem Kopf heraus, weil ich mir einbilde, so und nicht anders solle meine Familie aussehen? Treffe ich meine Entscheidung auf der Basis meiner eigenen Kindheit? Ich denke nicht, denn wenn ich mir vorstelle, nur ein Kind zu bekommen, dann werde ich ganz traurig, da ich mir von Herzen noch so einen Zwerg wünsche. Und wenn ich mir einbilde, schwanger zu sein, doch der Test negativ ist, dann weine ich mir erst mal die Augen aus dem Kopf... Klar, finanziell und raumtechnisch sollte es schon auch passen, aber ich denke dass wir das hinbekommen würden (mein Bruder und ich haben uns lange ein Zimmer geteilt). Zudem ist meine Süße noch sehr eifersüchtig, etwa wenn ich ein Kuscheltier im Arm halte (Sie reißt es mir aus der Hand, wirft es in eine Ecke und schmiegt sich dann an mich). 

Ich merke gerade, dass ich statt meiner Meinung einfach eine Menge Fragen gestellt habe, doch genau so sieht es nun einmal momentan in meinem Kopf aus... Ich bin sicher dass ich dann glücklich sein werde, wie auch immer das Schicksal sich fügt.

Und doch: Ich glaube, genau so wie es nicht den "perfekten Moment" für ein Kind gibt, gibt es auch keine Patentlösung für ein Familienmodell.
Jeder muss entscheiden, was am besten zu ihm und zu seinen Bedürfnissen passt, was er sich zutraut und auch was der Partner will. 

Viele liebe Grüße und danke für dieses tolle Thema,

junglejane




Kommentare:

  1. woow das ist mal ein bericht der mich zum denken bringt.
    ich habe zwei sehr pflegeleichte kids gehabt in dem alter und habe es unabsichtlich geschafft den abstand von 2 jahren zu haben. aber mal von kleinen lustigen zwischenfällen abgesehen, hatte ich wirklich glück!
    ich kann dir keine tips geben wie es bei deiner maus besser wird und ganz ehrlich möchte ich das auch nicht. nur weil bei uns was geklappt hat, heißt es nicht das es bei euch auch klappen würde. ich kann dir nur wünschen das deine maus weniger "anstrengend" wird und du wieder eine nacht für deinen schlaf hast. ich möchte dir nur einen kleinen denkanstoß geben. vergiss bitte nicht das du nicht nur mutter bist! du bist auch noch frau und partnerin. und das meine ich ganz und gar nicht böse! nur aus solchen kleinen momenten die man geniessen kann schöpft man neue kraft!
    ich drück dir beide daumen das ihr euren weg findet!

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  2. Ja das stimmt total. Glücklicherweise nimmt mir meine Mutter am Wochenende hin und wieder für 3-4 Stunden die Kleine ab, damit mein Mann und ich mal Zeit für uns haben.
    Leider traut sie sich auch nicht alleine mit ihr Spazieren zu gehen, denn ein bisschen Zeit für mich ganz alleine wäre wirklich wunderbar. Doch ich schätze, sobald sie älter wird, evtl. auch in den Kindergarten kommt, gibt sich das Problem auch, es sei denn natürlich ich habe bis dahin ein Zweites von der Sorte :D

    Das freut mich für dich. Anfangs hat es mir immer einen kleinen Stich versetzt, wenn andere Mütter von ihren pflegeleichten Kindern erzählt haben, aber seit ich akzeptiert habe, dass es nicht an mir liegt (und somit auch keine Patentlösung gibt) und dass meine Maus eben einfach aktiver ist freue ich mich wieder an solchen Geschichten. Schließlich geben sie mir Mut, dass das Zweite evtl. auch ein schläfriges Knuffelchen werden könnte :)
    Und obwohl wir uns hin und wieder an ihr verbrennen ist sie auch die Sonne in unserem Leben. Sie tanzt zum Geräusch der Waschmaschine, studiert gerade einen "Gangster-Gang" ein, wenn sie Diebesgut erbeutet hat, versteckt sich hinter Türen um uns zu erschrecken und schubst mich manchmal um, um mir dann zehn Küsschen hintereinander ins Gesicht zu drücken.
    Da sind die durchwachten Nächte vollkommen vergessen...

    Danke für deinen mitfühlenden Kommentar, ich finde es gerade sehr spannend, mir die Geschichten anderer zu dem Thema durchzulesen :)

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  3. Hallo du Liebe :) Habe deinen Blog gefunden und muss dir direkt was zu diesem tollen Post schreiben- Mir geht es nämlich genauso :) Mein Sohn ist am Freitag 1 Jahr alt geworden und war auch ein typisches Schrei-Kind. JA- es war der HORROR !!! Ich würde lügen wenn ich was andres sage, ich war manchmal so unendlich fertig und k.o.
    Aber ich kann dir Hoffnung machen, es wird besser!! Also seit 1-2 Monaten ist er viel ruhiger, zwar immer noch sehr willensstark und ausdauernd wenn er was will, aber die Nächte sind etwas besser. Ich stille auch noch relativ viel. Aber aus genau dem beschrieben Punkt von dir, wird wohl in 2-3 Monaten der Zeitpunkt gekommen sein, davon Abschied zu nehmen und ich denke inzwischen dass das auch klappt.
    Unsere Mäuse werden größer und ich hab bei amazon auch ein tolles Büchlein gefunden, was man den Erstgeborenen vorlesen kann um sie auf das Geschwisterchen vorzubereiten.
    Ah und ich hab auch erstmal "Angst" wieder dadurch zu müssen, aaaaaaber es ist gaaanz oft so, dass das zweite Kind einfach ruhiger ist, weil es auch mal "warten muss" (ich red nicht von schreien lassen) und bedenke dass die Beiden in einigen Jahren toll miteinander spielen können. Also ich denke bei uns gehts bald weiter mit Baby-Projekt Nr. 2 und ich sag mir immer, selbst WENN es nochmal so wird: Ich weiß jetzt dass es zu packen ist :) Ich folg dir jetzt übrigens und freu mich über Gegenverfolgung :) GLG und alles Gute
    Tina

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    1. Ich hoffe eben auch dass das zweite Kind etwas ruhiger wird und beide miteinander spielen können, aber ich möchte auch auf alles vorbereitet sein, dass es mich nicht wieder wie ein Schock trifft :)
      Ich kann leider deine Seite nicht öffnen, bist du umgezogen?
      lg
      junglejane

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  4. Hallo ! Danke für deine tollen Gedanken. Ich kann das Chaos in deinem Kopf schon verstehen und wünsche dir, das du es ordnen kannst. Eines kann ich dir aber mit auf den Weg geben: es ist manchmal ganz gut, mehr aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Kinder sind selten gleich. Eltern lernen dazu und reagieren anders. Kind Nummer 1 ist Kind Nummer 1 und Kind Nummer 2 wird ganz anders werden.

    Liebe Grüße
    Andrea - Die Großfamilienmama

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  5. Ein Geschwisterkind zu sein ist doch super. Die Möglichkeit Bündisse zu schließen und auch mal wieder zu lösen und den Konflikt im nachhinein zu meistern, da lernt man fürs Leben.

    Meine Tochter schläft übrigens auch erst durch seit dem der kleine Bruder da ist. Große Schwester zu sein hat sie absolut bestärkt.

    LG Romy

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  6. Oh was für ein Beitrag , ich hab ganz schön geschluckt... da hast du aber ganz schön zu kämpfen. Kann deine Überlegungen auch ganz gut nachvollziehen, denn man weiß ja nie, was einen mit Nr. 2 erwartet ... aber es kommt meistens eh anders als man denkt.
    ABEr ich würde es wirklich nicht am Altersabstand jetzt festmachen, sondern einfach daran, wie deine Tochter es zulässt, dass DU auch wieder für dich was Zeit hast, durchschlafen kannst und alles andere, ausser das Mama-Dasein, in Angriff nehmen kannst.
    Dein Beitrag hat mir auf jeden Fall wieder mal gezeigt, dass ich mich manchmal echt über *kleinigkeiten* aufrege, wenn ich da so deine Situation angucke, geht es mir ja richtig blendend.
    Ich wünsche dir und deiner familie, dass sich das alles einrenkt und ihr alle miteinander entspannter durchs Leben gehen könnt.

    LG Bibilotta

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    1. Hallo, lieben Dank für deine Worte! :)
      Es geht mir auch nicht sooo sehr um den Altersunterschied, allerdings ist es finanziell dann wirklich schwierig wenn ich gleich so lange nicht arbeiten könnte. Ein bisschen Sicherheit würde ich meinen Kindern dann doch bieten wollen. Hauptsächlich sind es aber die Hormone, die verrückt spielen, wann immer ich einen Kinderwagen sehe :D
      Übrigens ist sie momentan ein Traumkind, etwas leicht zu reizen aber ansonsten wahnsinnig lieb, verkuschelt und frech auf ihre spezielle, knuddel-würdige Art. Die Nächte sind immer noch durchwacht, aber es gibt auch Nächte wie heute, als sie nur ein einziges Mal aufgewacht ist. Ich fühle mich so frisch und energiegeladen, dass ich ein Haus bauen könnte :)
      Und wenn sie sich so an mich kuschelt und meine Wange streichelt, dann ist alles vergessen und ich hätte gerne fünf von der Sorte
      Lg
      junglejane

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